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Erklärung der Heiligen Synode

Erklärung der Heiligen Synode der koptisch-orthodoxen Kirche

"Die zum Himmel schreienden tragischen Ereignisse und das extrem brutale Vorgehen des Militärs gegen unsere friedlich protestierenden Glaubensbrüder, dem bis jetzt 24 Kopten zum Opfer fielen und wobei mehr als 300 weitere schwer verletzt wurden, veranlasste Seine Heiligkeit, Papst Schenute III., die Heilige Synode der koptisch-orthodoxen Kirche einzuberufen, um über die Situation in Ägypten zu beraten. Sie verlas am Ende die folgende Erklärung:

Die Heilige Synode der koptisch-orthodoxen Kirche trat am Montag, dem 10.10. in der päpstlichen Residenz unter Vorsitz Seiner Heiligkeit, Papst Schenute III. und in Anwesenheit von 70 Metropoliten zusammen. Die Synode war darüber entsetzt, dass im Verlauf ihres friedlichen Protests mehr als 24 unserer Glaubensbrüder vor Maspiro zu Tode kamen und über 200 verletzt wurden.

Unser christlicher Glaube verbietet die Anwendung jeglicher Art von Gewalt. Wir wissen aber, dass es immer wieder Leute gibt, die sich unter unsere Glaubensbrüder und –schwestern mischen und Verbrechen begehen, die dann uns allen zugeschrieben werden. Die Kopten erleben zudem, dass sich ihre Probleme wiederholen, ohne dass die Angreifer zur Rechenschaft gezogen und verurteilt oder dass etwa diese Probleme jemals ernsthaft aus der Welt geschafft würden.

Die Heilige Synode ruft das koptische Volk auf, ab Dienstag, dem 11.10., drei Tage lang zu beten und zu fasten, damit der Herr unserem geliebten Land Ägypten seinen Frieden zurückgebe.

Link zum Statement der heiligen Synode der koptisch-orthodoxen Kirche 10.10.2011 Video auf Arabisch



In der St. Georg Koptisch-Orthodoxe Kirche e.V. in Stuttgart finden regelmässig diverse Veranstaltungen statt.

Wir freuen uns sehr auf Euren / Ihren Besuch !!


Gewaltanwendung gegen Kopten seit Januar 2011

Gewalt gegen die Kopten in Ägypten allein in diesem Jahr
01.01.2011 Alexandria
Bombe explodiert vor der Kirche der Zwei Heiligen nach der Mitternachtsmesse, 23 Kopten sterben, über 100 wurden verletzt. Es gab keine Ermittlungen. Inzwischen wurde bekannt, dass der damalige Innenminister, Habib El-Adly, dafür verantwortlich war.

11.01.2011 Samalout
ein Polizist besteigt in Zivilkleidung den Zug von Assiut nach Kairo und schießt auf eine Gruppe von Kopten. Der 71-jährige Fathi Ghattas starb sofort, fünf weitere Kopten, darunter seine Frau, wurden schwer verletzt. Der Polizist wurde bis dato nicht verurteilt.

23.02.2011 bei Alexandria
Soldaten der ägyptischen Armee griffen das in der Sketischen Wüste gelegene Anba-Bishoi-Kloster mit Maschinenpistolen an. Bei dem Vorfall wurde ein Mönch erschossen. Insgesamt 19 andere Mitarbeiter des Klosters erheblich verletzt. Der Vorfall ereignete sich wegen des Baus einer Mauer, die das Kloster zu seinem äußeren Schutz gebaut hatte in einer Zeit, in der sich die Polizei landesweit zurückgezogen hatte und das Chaos regierte.

März 2011 Gizeh
Muslime zerstören zwei Tage lang die Kirche von Katameya unter den Augen des Militärs, das nichts unternommen hat, um das zu verhindern. Die Täter wurden zwar dabei gefilmt und sind daher bekannt, dennoch wurden sie nicht zur Rechenschaft gezogen.

10.03.2011 Kairo
Als Kopten friedlich gegen die Zerstörung der Kirche in Katameya demonstrierten, wurden sie mit Unterstützung des Militärs von Islamisten angegriffen: neun Kopten starben, 94 wurden schwer verletzt.

07.05.2011 Kairo
Salafisten griffen die St.-Mina-Kirche im Kairoer Stadtteil Imbaba an und setzten sie in Brand unter dem Vorwand, dort würde eine Christin versteckt, die eine Beziehung zu einem Moslem habe und zum Islam übergetreten sei. Der Küster der Kirche wird im Inneren der Kirche umgebracht, Bei der anschließenden Auseinandersetzung vor der Kirche kamen zwölf Kopten und Muslime zu Tode, 230 wurden verletzt. Auch die in der Nachbarschschaft liegende

30.09.2011 Edfu
Ein Imam hetzt die Muslime während des Freitagsgebets gegen den Wiederaufbau der St. Georg-Kirche in Marinab. Die aufgehetzten Muslime ziehen von der Moschee direkt zu der Baustelle der Kirche und zerstören sie. Danach zünden sie noch drei benachbarte Häuser der Kopten an. Bis heute kein Verfahren gegen den Imam und die an der Zerstörung beteiligten Muslime.

09.10.2011 Kairo
Die Kopten protestieren friedlich gegen die Zerstörung der Kirche in Edfu und das Verhalten der ägyptischen Regierung gegenüber den Übergriffen auf Kopten. In Maspiro greift das Militär den Protestzug an. Neun Kopten werden erschossen, elf durch Panzer überrollt und getötet, vier erlagen ihren Verletzungen, über 300 wurden schwer verletzt.



Gewaltanwendung gegen Kopten seit 1968

Ausgewählte Ereignisse der Gewaltanwendung gegen Kopten seit 1968
Nasser
1968 bei Luxor Angriff auf Kirche
1970 Akhmim 1 Toter, Dutzende Verletzte

Sadat
1972 Kairo Brandstiftung Bibelinstitut
1975 Assiut Ausschreitungen gegen Kopten während des Ramadan
1978 Assiut gegen christliche Studenten
1980 Alexandria gegen christliche Studenten auf dem Universitätsgelände
1981 Assiut Angriffe Muslimbrüder und islamischer Gruppen gegen Polizei und Christen
1981 Kairo Blutbad an Christen 86 Tote, Plünderungen
1981 Assiut Massaker an Kopten und koptischen Polizisten

Mubarak
1990 Manfalut 6 Tote, 50 Verletzte
1990 Al-Buhayrah Niederbrennen von Ackerland
1990 Al-Buhayrah 6 Tote, darunter ein Priester
1992 Assiut 13 Tote
1992 Assiut 14 Tote
1992 Sohag 4 Tote, Plünderungen kopt. Läden
1994 Assiut bewaffneter Überfall auf Kloster al-Muharraq; 5 Mönche wurden erschossen
1996 Kafr Demiana mehrere hundert Verletzte
1997 Abu Qurqas 9 Tote
1997 Nag Hamadi 13 Tote, 6 Verletzte
1998 Koshh I 2 Tote
1999 Heliopolis 2 Christen erschossen
2000 Koshh II 19 Kopten niedergemetzelt
2005 Alexandria zahlreiche Verletzte bei Angriffen auf Kirchen
2005 Kafr Salama Plünderung kopt. Geschäfte und Wohnhäuser
2006 Qena Zwangsumsiedlung und Enteignung von 15 Familien
2006 Aswan Enthauptung eines Kopten
2007 Mahallat el-Kubra ein Christ erstochen
2007 Sohag zwei Kopten mit Schüssen durchsiebt
2007 Abu Qurqas Polizei stürmt Kirche und wirft die Betenden hinaus
2008 Dafsh* Jugendlicher auf der Straße erstochen
2008 Minia vier Kopten durch Schüsse verletzt
2009 Luxor ein Toter
2009 Mit Ghamr ein Toter
2009 Assiut 3 Tote
2009 Qena zwei Tote an Heiligabend
2009 Oberägypten Säureangriff auf kopt. Frauen
2010 Nag Hamadi 6 Tote an Heiligabend
2010 Kairo Polizei erschießt zwei Kopten beim Versuch den Abriss einers neugebauten Gemeindehauses zu verhindern
2011 Alexandria 23 Tote bei Explosion einer Autobombe vor kopt. Kirche

Tödliches Attentat auf koptische Christen

"SELIG SEID IHR, WENN IHR UM MEINETWILLEN BESCHIMPFT UND VERFOLGT UND AUF ALLE MÖGLICHE WEISE VERLEUMDET WERDET." [Mt. 5,11]
Wir trauern um unsere Schwester und Brüder, die in der Neujahrsnacht dem verheerenden Anschlag auf die koptische Kirche in Alexandria zum Opfer fielen.

Wir halten an dem fest, was uns unser Herr und Gott Jesus Christus gelehrt hat. Gleichzeitig wollen wir aber unseren Unmut und unsere Wut über die dem Leid der Kopten gegenüber gleichgültige, fast zustimmende Haltung der ägyptischen Regierung deutlich zum Ausdruck bringen. Wir wollen nicht mehr hinnehmen, dass unsere christlichen Brüder und Schwestern unterdrückt, gefoltert und diskriminiert werden, weil sie ihren Glauben ausüben.

Wir Kopten in Stuttgart, in Baden-Württemberg und in ganz Deutschland sind über die Anschläge nicht nur empört und verärgert, sondern auch tieftraurig. Dies umso mehr, als uns die Haltung des ägyptischen Staats entsetzt, der die Ereignisse herunterspielt und behauptet, alles sei von außen gesteuert.

Der Anschlag ist ja kein unerwartetes Ereignis, sondern das Ergebnis der anhaltenden antichristlichen Stimmungsmache der letzten Jahre und Jahrzehnte in Moscheen, in Medien und sogar in den Schulen.

Wir fordern die ägyptische Regierung auf, die Situation der Christen ab sofort zu verbessern!!
Dies bedeutet konkret:

+ Beachtung der internationalen Menschenrechtskonvention
, die der ägyptische Staat ratifiziert hat.
-juristische Gleichstellung aller Ägypter unabhängig von ihrem Glauben und ein Ende der alltäglichen Diskriminierung von Christen in Schulen, Universitäten, Behörden und im Berufsleben.
- einheitliche gesetzliche Regelung für den Neubau von Moscheen UND Kirchen
- echte Religionsfreiheit inkl. Recht auf freien Religionswechsel
–für alle Ägypter.

+ besserer Schutz christlicher Einrichtungen.

+ angemessene Entschädigung der Opfer der Attentate und für die Renovierung beschädigter Kirchen, Gemeindehäuser und Klöster.

+ Ende der Unrechtsjustiz:
- Schnelle und gerechte Strafverfolgung
bei Verbrechen gegen Christen, z.B. der Attentäter von El Koshh (21 ermordete Christen im Jahr 2000), Nag Hammadi (7 ermordete Christen im Jan. 2010).
- Juristische Verfolgung absichtlicher Verschleppung von Gerichtverhandlungen.
- Ende der Unrechtsurteile gegen Christen.
- Freilassung von Hunderten seit Monaten ohne juristische Grundlage festgenommen Christen, die von der Polizei als Druckmittel eingesetzt werden, damit Christen ihre Anklagen gegen Muslime fallen lassen.
- Ende der Polizei- und Justizwillkür: Das Beenden der Taktik der "Folter auf Bestellung", die vor allem Muslime trifft, die zum Christentum konvertiert sind.

+ Adäquate Repräsentanz der Christen in Regierung, Parlament, staatlichen Behörden, Universitäten, Militär entsprechend ihrem Anteil an der ägyptischen Bevölkerung (10-15%)


Des Weiteren appellieren wir an die deutsche Regierung, nicht länger wegzusehen. Deutschland hat seine Möglichkeiten zur Einflussnahme bei Weitem nicht ausgeschöpft. Wir bitten die deutsche Regierung um Folgendes:

- Die staatlichen Hilfen an die Gewährleistung der freien Religionsausübung und die Beachtung der Menschenrechte in Ägypten zu koppeln.
- Unsere koptischen Gemeindehäuser vor Attentaten zu schützen.


Die Geschichte der koptischen Kirche ist schon seit 2000 Jahren durch unzählige Märtyrer gekennzeichnet. Trotz all der Leiden und Schmerzen, die den Kopten in ihrer Geschichte zugefügt wurden, finden wir Trost in der Heiligen Schrift:

Gesegnet sei mein Volk in Ägypten



25.09.2011 Mauritius Patrozinium – Einführung
Zu Beginn unseres Patroziniums haben wir dir Reliquien des heiligen Mauritius erhoben und verehrt. Sie erinnern und verbinden uns auf sichtbare Weise mit unserem Kirchenpatron, den heiligen Mauritius. Sein Glaubenszeugnis bis zum Märtyrertod bewundern wir nicht nur, sondern es stärkt auch uns in unserem Glauben in allen Herausforderungen. So feiern wir unser Patrozinium, verbunden mit der Kirche des Himmels im gemeinsamen Lob Gottes.

Ganz herzlich begrüßen wir auch dieses Jahr in Freundschaft und christlicher Verbundenheit in unserer Mitte Vater Johannes Ghali mit seiner Familie von der Koptisch orthodoxen Kirche in Stuttgart.

Der heilige Mauritius stammt wie der Name Thebaische Legion schon sagt, aus Ägypten, wo die Thebais liegt. Seit der Gründung der Kirche Ägyptens durch den Evangelisten Markus, lebt dort eine blühende und bis heute oft verfolgte Kirche. Sie bildet das berühmte Patriarchat von Alexandrien, das nicht nur eine der Wiegen des christlichen Mönchstums ist, sondern auch für Ost und West bis heute bedeutsame Patriarchen und große Kirchenväter hervorgebracht hat, wie den heiligen Athanasius und den heiligen Cyrill von Alexandrien.

Beten wir heute auch besonders für die Koptische Kirche in aller Welt und für das Land Ägypten um einen guten Weg in eine freiheitliche und rechtstaatliche Zukunft, auch für die koptische Kirche.
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24.09.2011 (26.So.i.Jk.) Hl. Mauritius Patrozinium

Eph 6, 10-20 – ‘Legt die Rüstung Gottes an...‘

Liebe Schwestern und Brüder,
auf der Titelseite unserer Kirchlichen Nachrichten ‘aktuell‘ habe ich gefragt: Soldaten als Heilige?

In der Tat ist das für viele in unserer Gesellschaft heute eine fragwürdige Sache.

Und Selbst wenn jemand damit keine allzu großen Probleme hat – viele tun sich wahrscheinlich leichter sich mit Heiligen zu identifizieren und in ihnen Fürsprecher und Vorbilder zu sehen, die – zumindest auf den ersten Blick – besser in unsere heutige Zeit passen: ich nenne nur Franciskus oder Mutter Theresa. Aber auch Martinus war Soldat ehe er die Soldatenrüstung des Kaisers ablegte und dann Bischof wurde. Die berühmte Mantelteilung und di Christusbegegnung ereignete sich in seiner Zeit als Soldat.

So einfach ist das also mit der Einteilung der Menschen nicht – in solche, die eo ipso schon prädestiniert sind für die Heiligkeit und solche, die von vorne herein schon gar keine Kandidaten für die Heiligkeit sein können. Das wäre doch sehr billig und schlicht gedacht.

Jesus z.B. denkt so nicht: Er sieht den Menschen hinter allem. Und er heilt den Diener des Hauptmanns von Kafarnaum ohne zu fragen, ob es der Hauptmann überhaupt verdient hat.

Dennoch: Wenn ich auf den heiligen Mauritius schaue – wo identifiziere ich mich mit ihm?

Wir wissen aus seinem Leben sehr wenig – eben nur, dass er, aus der Thebais – im heutigen Ägypten gelegen – stammte und zu der römischen Legion der Thebäer gehörte, sich mit seinen Soldaten zusammen weigerte, bei einer der tödlichen Razzien gegen Christen mitzumachen, weil er selbst Christ war. Er wusste, dass er damit sein Leben riskierte. En nahm das, um seines Glaubens willen und um seiner Treue zu Christus willen auf sich. Er suchte nicht das Martyrium, aber er war bereit dazu.

Das ist gewaltig und verdient allen ehrfurchtsvollen Respekt – genauso, wie dies alle Märtyrer der Kirche verdienen – ich nenne nur Eugen Bolz, den wir mit Fug und Recht in die Reihe des heiligen Mauritius stellen können als Märtyrer der Kirche.

Aber ist das nicht zu steil für uns, zu groß? Von anderen Heiligen wissen wir hingegen vieles aus ihrem Leben, an das wir leichter anknüpfen können und in unseren Alltag übernehmen können.

Gibt es also etwas, worin er mir Vorbild ist, worin ich eine innere Beziehung zu ihm aufbauen kann, die nicht nur die Extremsituation des Martyriums berührt, sondern auch in meinem alltäglichen Leben Anknüpfungspunkte findet, das oft vom alltäglichen Einerlei geprägt ist, ein Trott manchmal, fast ein Tretrad und manchmal mühsam und schwer und Got sei Dank auch seine glänzenden Lichter hat?

Mir fiel da die 2. Lesung ein, die wir gehört haben. Sie stammt nicht aus den Lesungen für Märtyrerfeste. Aber ich glaube, mit dieser Lesung erschließt sich uns der heilige Mauritius auf eine Art und Weise, die für unser eigens Leben, das nicht vom Märtyrertod bedroht ist, einen Anknüpfungspunkt bietet.

Paulus geht es in diesem letzten Kapitel des Epheserbriefs um eine christliche Lebenspraxis. Wie geht ein Leben aus dem Glauben an Jesus Christus heraus in mitten einer Welt, die diesem Glauben gegenüber gleichgültig oder feindlich gesonnen ist und die Lebensmuster vorgibt, die dem christlichen oft widersprechen. Und dabei greift Paulus in einem Abschnitt die militärische Sprache auf, die alle verstehen: Gürtel, Panzer, Schuhe, Schild, feurige Geschosse, Helm, Schwert.

Wir bemerken, wie sich die Begriffe dramatisch steigern: vom neutralen Gürtel bis zum tödlichen Schwert.

Und wir sehen vor uns einen richtigen Ritter, mit allem drum und dran. So wie wir Mauritius hier vorne im Altarraum stehen sehen.

Aber Paulus nimmt alle diese Begriffe al Metaphern und stellt sie in einen ganz neuen Kontext: nicht in den der Gewalt, sondern in den des Ringens: des Ringens um ein christliches Leben.

Der Gürtel – ist die Wahrheit, der Panzer – ist die Gerechtigkeit, die Schuhe – sind die Bereitschaft für das Evangelium vom Frieden zu Kämpfen. Der Schild – ist der Glaube. Der Helm – ist das schützende Heil Gottes, das Schwert der Geist und das Wort Gottes.

Und so paradox wie die Formulierung ‘für das Evangelium vom Frieden zum Kämpfen‘ klingt, so paradox steht nun der Krieger Gottes vor uns: ausgerüstet mit Wahrheit, Gerechtigkeit, dem Heil Gottes, dem Wort Gottes, dem Evangelium.

Und diesen Kampf, den kennt wohl jeder Christ, jede Christin: die inneren Kämpfe: Gewissenentscheidungen, die einem nicht leicht fallen, Versuchungen, Anfechtungen, Zweifel, Fragen Bedrängnisse…

Wie oft muss ich mich durchringen zu etwas, was mir schwer fällt, won dem ich aber doch glaube, dass es wichtig und gut ist?

Wie oft kommen mir Zweifel – auch in Glaubensfragen, ja vielleicht an Gott selbst?

Wie oft muss ich mit mir ringen im Umgang mit Mitmenschen?

Wie oft erlebe ich Anfechtungen, Fragen Unsicherheiten, Anfeindungen?

Was stimmt, was ist richtig – wie soll ich mich verhalten und mir Urteile bilden in einer Welt, in der scheinbar alles geht und doch alles politisch korrekt reglementiert erscheint bis ins letzte Detail, bis in die letzten Themen,
in der einer auf den anderen schimpft, aber alle vom Dialog reden,
in der Sündenböcke herdenweise abgestempelt werden und doch auf kafkaeske Weise niemand verantwortlich ist,
in der rundum kommuniziert wird und doch so wenig zugehört wird,
in der die Kirche nicht mehr nur in glänzender Größe erscheint, sondern auch in Schuld und Schwäche, in drängender Erneuerungsbedürftigkeit, in inneren Auseinandersetzungen, in der aber auch die Kirche, wie noch nie, in vielen Ländern verfolgt wird, und in anderen Ländern mit Hohn und Spott, ja mit Hass und Fanatischem Eifer verächtlich gemacht wird, wie zum Abschuss freigegeben zu sein scheint?

Was stimmt, was ist richtig, wie soll ich mich verhalten? Soll ich mich überhaupt verhalten oder doch nicht lieber wegducken?

Das sind die Kämpfe, von denen Paulus spricht – zu seiner Zeit und auch in der unsrigen.

Die Rüstung Gottes ist Wahrheit – es gibt die Wahrheit, ohne sie wird alles gleich gültig und relativ und damit eben auch willkürlich: die Wahrheit des Glaubens, die nicht beliebig austauschbar ist.

Die Rüstung Gottes ist Gerechtigkeit – für ein menschliches, für ein gutes, menschliches Zusammenleben überlebensnotwendig.

Die Rüstung Gottes ist das Evangelium – das Evangelium vom Frieden, zu dem die Versöhnung als Voraussetzung unabdingbar gehört.

Di Rüstung Gottes ist der Glaube, den es immer neu zu erringen gilt.

Die Rüstung Gottes ist der Helm des Heiles als Schutz und Geborgenheit – wie ein Helm, der den Bauarbeiter, den Bergmann, den Motoradfahrer und Radfahrer schützt und lebensrettend sein kann – so ist Gottes Heil, der Helm.

Die Rüstung Gottes ist das Schwert des Geistes – das Wort Gottes.

Christen sind nicht in der Defensive, auf dem Rückzug in ein isoliertes, sektiererisches Nest, wo man nur meint, dass es da besser sei, sonder auch die Auseinandersetzung, sie setzen sich ein und mischen sich ein. Sie ducken sich nicht mutlos weg, sondern haben eine Glaubensüberzeugung, dür die sie eintreten – nicht wie mit einem nassen Waschlappen, den sie anderen um die Ohren hauen, sondern als Hoffnung, mit der sie nicht hinter dem Berg halten.

Das Schwert des Geistes, das Scheidet und unterscheidet, das die Geister scheident: Was ist Ungeist oder nur aufgeblasene Kleingeister und was ist vom Geist Gottes?

Die Rüstung Gottes – Mauritius war diese Rüstung mehr wert als die des Kaisers.

Paulus empfiehlt sie auch uns.

Krieger Gottes in einem gänzlich gewaltlosen unmartialischen Sinn, der aber sich nicht einfach treiben lässt von einem gewaltigen Strom der Masse, sondern bereit ist, Rede und Antwort zu stehen, von der Hoffnung, die ihn erfüllt und diese sich aber immer wieder neu erringt gegen alle inneren und äußeren Anfechtungen, die es gibt. – Vielleicht ist dies ein Anknüpfungspunkt von uns zu Ihm.

Da wird der hl. Mauritius ganz aktuell, Vorbild und Fürsprecher.

Amen.

18. Dezember 2010 - Tag der offenen Tür